F.A.Z. Lokaltermin: Wagyu – Nacken und Linsensalat


F.A.Z., 04.10.2014, Frankfurt – Autor Peter Badenhop

LOKALTERMIN

Wagyu – Nacken und Linsensalat

„Ponte“ in Bockenheim

Groß ist die Portion nicht gerade. Nur ein einziger, dicker Tentakel windet sich auf dem Teller. Aber der hat es in sich. Denn er ist so zart und aromatisch, wie man Pulpo in Frankfurt nur selten serviert bekommt. Der feine Krake wird nur von ein paar Spritzern Zitronensaft, einigen Tropfen Olivenöl und etwas grobem Meersalz begleitet – und macht sehr neugierig auf den Fortgang des Abends im „Ponte“, einem unscheinbaren Tapas – Restaurant in Bockenheim.

Tapas – Lokale gibt es auch in Frankfurt eine ganze Menge. Die große Welle ist inzwischen zwar verebbt, aber die spanische Häppchen – Kultur erfreut sich anhaltender Beliebtheit. Leider beschränkt sie sich meist auf einige wenige Standards wie Fleischklößchen in Tomatensoße, Tortilla – Schnittchen, frittierte Sardellen, Tintenfische und Gambas in Öl. Im „Ponte“ ist das anders. Dessen Küche widmet sich eher der „Pincho“ – Kultur Nordspaniens, wo die kleinen Häppchen am Spieß oft mit großem Aufwand und mitunter beeindruckender Kreativität auf die Teller gezaubert werden. Außerdem haben die Betreiber eine portugiesische Ader, was unter anderem die Weinauswahl bezeugt.

Mittags ist von all dem allerdings noch nicht viel zu sehen. Dann gibt es im „Ponte“ nämlich eine eigene Karte, die sich deutlich vom Abendprogramm unterscheidet. Geboten werden dem eiligen Lunch – Gast sehr üppig belegte Sandwiches, verschiedene Salate und ein paar Pasta – , Couscous – und Kartoffelstampf – Gerichte.

Zu richtiger Form läuft die Küchenmannschaft erst nach 18 Uhr auf: Dann gibt es „spanische Küche und Eigenkreationen“ – und das klingt bescheidener, als es ist. Gerichten wie den Wildfang – Garnelen mit Krustentier – Pimentonschaum (7,50 Euro), dem Portugiesischen Linsensalat (vier Euro), der Tortilla mit Jakobsmuscheln und Herbsttrüffeln (8,50 Euro) oder dem Ackerbohnen – Salat mit Feta und Tomate (fünf Euro) merkt man an, dass sie aus besten Grundprodukten von versierten Köchen zubereitet werden.

Das beste Beispiel außer dem Pulpo (12,50 Euro) ist vielleicht der Wagyu – Nacken. Für immerhin zehn Euro kommt nur ein kleiner Teller mit einem nicht gerade üppigen Fleisch – Spieß auf den Tisch. Doch schon der erste Bissen zeigt, dass es sich um erstklassige, perfekt gegrillte Stücke vom japanischen Rind handelt, die mit üblicher Supermarkt – Ware nicht zu vergleichen sind. Fast noch beeindruckender die Soße: Es ist eine konzentrierte Steinpilz – Cognac – Jus mit einer bemerkenswerten Aromentiefe, wie man sie in einem normalen Tapas – Restaurant niemals findet. Dass das kein Zufallstreffer ist, zeigt anschließend die ebenfalls perfekt komponierte Cassis – Balsamico – Jus, die zur gebratenen Barbarie – Entenbrust serviert wird (12,50 Euro). Die Weinkarte ist nicht sonderlich groß, aber sie versammelt eine interessante Auswahl von Tropfen aus Deutschland, Griechenland, Portugal (sehr schön: Vinho Verde von Muralhas de Moncao) und Frankreich (tiefgründig: Dans le Secret du Chai, eine Merlot – Petit – Verdot – Cuvée von Chateau Mas Neuf). Auch die Weine haben mit bis zu zehn Euro je Glas ihren Preis, passen aber bestens zu den Teller – Kreationen des „Ponte“.

PETER BADENHOP

F.A.Z., 04.10.2014, Frankfurt (Rhein – Main – Zeitung), Seite 40 – Ausgabe R – DA, R – WI, R – MK, R – HT, R – F
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